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© Tages-Anzeiger; 13.10.2007; Seite 70city

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CITY Regionalausgabe Stadt Zürich

Aus Elektroschrott wird Intelligenz (fast)

14 Kinder schlachteten an der Zürcher Hochschule der Künste alte Apparate aus und bauten etwas Neues: Roboter mit ein wenig Computer-Intelligenz.

Von Beat Matter Es riecht nach geschmolzenem Lötzinn in der Zürcher Hochschule der Künste (ZhdK?) am Sihlquai. Vom Obergeschoss her dringt ein Stimmengewirr, wie es nur Kinder und Jugendliche zu Stande bringen. Quelle des Lärms sind vierzehn Buben, die an der Junior-Werkstatt «Robo-Storys», eine Gemeinschaftsproduktion der ZhdK? mit dem Migros-Kulturprozent, teilnehmen. Die jungen Tüftler bauen Roboter aus Holz, alten Computerbauteilen und Elektromotoren. Einer kleidet sein Werk gar in einen schwarzen Frack, setzt ihm einen Styroporkopf auf. Er hofft, der Apparat werde ihm später das Getränk aus der Küche herbeifahren.

Mädchen sind keine da. Eines meldete sich an, aber als sie erfuhr, dass sie alleine unter Buben gewesen wäre, wollte sie nicht mehr. An ihre Stelle rückte ihr Cousin, der 15-jährige Yves Spiri. Er programmiert am PC eine Funktion seines zukünftigen Roboters, «in Arduino-Programmiersprache», wie er betont. Später soll das Gefährt dank eines Lichtsensors Hindernisse erkennen und ihnen selbstständig ausweichen.

Geleitet wird die Werkstatt vom Hamburger Robotik-Künstlerkollektiv F18. Kollektivmitglied Stefan Doepner windet sich etwas, wenn es um den Zusammenhang von Kunst und an Robotern bastelnden Kindern geht: «Kunst ist einer von unzähligen überstrapazierten Begriffen. Die Faszination, aber auch die kritische Haltung gegenüber der Technik stehen bei uns im Vordergrund.» Doepner möchte die Teilnehmer zum Nachdenken anregen. «Sie sollen aktiv in die technische Entwicklung eingreifen und nicht bloss mit gebrauchsfertiger Technologie umgehen können.» Wichtig sei das Nachdenken über Alltägliches und die Erfahrung, frei von fixen Lernzielen etwas mitgestalten zu können, so Doepner.

Vom Lüfter zum Luftkissen

Tatsächlich mitgestaltet hat der 13-jährige Thomas Streiff. Aus einem schrottreifen Computer hat er den Lüfter ausgebaut. Der Propeller bläst nun eine Plastiktüte auf. Diese sollte im Idealfall seinen Roboter einem Luftkissenfahrzeug gleich dahinschweben lassen. Nach unzähligen Versuchen will das allerdings noch immer nicht klappen. «Das Luftkissen vermag das Gewicht des Aufbaus nicht zu halten», erklärt Doepner.

Christina von Rotz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZhdK?, Vertiefung Neue Medien. Während der sechstägigen Arbeit mit den potenziellen Studenten von morgen ist sie die zentrale Anlaufstelle für alle Anliegen. Einer sucht eine Schraube, ein anderer verbrennt sich die Finger am Lötkolben, und wieder ein anderer deponiert schon mal den Wunsch fürs Mittagessen. Pizza für alle. Zum zweiten Mal diese Woche.

«Die Teilnehmer sind wahnsinnig motiviert», schwärmt von Rotz, die den Kurs als eine Art Schnupperlehre für ein mögliches späteres Studium bezeichnet. Die meisten stünden am Morgen jeweils schon zwanzig Minuten vor Kursbeginn bereit. «Das kann man sich von Studierenden nur wünschen.» Die Kurswoche endet heute mit einer öffentlichen Präsentation der Werke am Sihlquai 131. Zwischen 16 und19 Uhr wird dort unter anderem auch der Roboter jenes Teilnehmers zu sehen sein, der laut Stefan Doepner am Montag den Raum mit den Worten «Ich kann nichts» betreten hatte und trotzdem etwas konnte.

BILD SOPHIE STIEGER

Matthias Bräm und Thomas Streiff, zwei von 14 Buben, die eine Woche lang mit Elektroschrott und Fantasie arbeiten.

Urheberrechte: Tages-Anzeiger


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© A. Streiff, Oberstufenlehrer. Alle können eigenverantwortlich mitmachen, habt etwas Mut! last change: 6. Januar 2008